Ein Hundehimmel voll Bananen

Dieser Text ist im Rahmen der November-Blogaktion 2020
von Totenhemd-Blog entstanden.
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Anni ist tot.
Anni, die Neufundländerhündin unserer guten Freunde.
Letztes Jahr im Oktober ist sie gestorben,
nachdem sie große Schmerzen hatte.
Hat ihren Kopf am Abend zum Abschied noch jeweils in den Schoß
ihres Herrchen und ihres Frauchen gelegt
und ist dann gehn Hundehimmel
auf und davon.
Am nächsten Tag waren wir alle noch mal da mit den Kindern.
Bei der toten Anni.
Haben Abschied genommen, Bilder gemalt, Fotos gebracht,
eine Kerze entzündet, geweint und gespielt,
selbstgemachtes Bananenbrot gegessen
und Bananen als Proviant für die letzte Reise hingelegt.
Denn Anni liebte Bananen über alles.
Dann wurde sie fortgebracht zum Krematorium
und ihre Asche verstreut auf einer Blumenwiese daneben.

Ein Jahr später.
Herbst 2020.
Wir suchen für uns und für unsere Kinder
nach einem Ort zum „Anni erinnern“.
Die Blumenwiese ist zu weit weg
und wegen Corona ist eh alles kompliziert.
Ein Platz in der Nähe soll es sein.
Und so machen wir uns am ersten Todestag von Anni
bei Nieselwetter gemeinsam auf den Weg in den nahen Park.
Im Gepäck haben wir: eine Schaufel, eine Kerze,
eine Banane, ein Stück Bananenbrot,
Blumensamen und Seifenblasen.
Dorthin zur großen Rodelwiese gehen wir.
Dorthin wo Anni immer ihren Auslauf und das Spiel
mit uns und ihren Hundefreund*innen genossen hat.
Zur großen weiten Wiese,
die während des ersten Corona-Lockdown im Frühjahr
und auch jetzt noch unser Garten ist
und unser grünes Wohnzimmer in der großen Stadt.
Etwas abseits im Gebüsch, in der Nähe der großen Wurzel,
die unseren Kindern wahlweise als Klettergerüst,
als Piratenschiff oder als sonstiges Requisit
für fantastische Reisen und Abenteuer dient,
wählen wir einen Baum aus.
Hier graben die Kinder gemeinsam ein Loch.
Ins Loch legen wir andächtig
und mit freundlichen laut gesprochen Grüßen und Wünschen für Anni
die Bananenschalen und das Stück Bananenbrot. 
Auf die frische Erde des zugeschaufelten Lochs
streuen wir Blumensamen, entzünden eine Kerze
und dekorieren den Erinnerungsort mit bunten Blättern.
Dann singen wir „Theo, mach mir ein Bananenbrot“ und „Oh, Banana Joe“
und spielen mit Riesenseifenblasen, die wir zu Anni in den Hundehimmel schicken.
Später essen wir daheim Bananenbrot
und kuschelen uns mit Büchern unter eine Decke.

Anni ist jetzt im Hundehimmel.
In einem Hundehimmel voller Bananen,
sagen die Kinder.
Und wir haben nun einen Verbindungsort.
Nah bei der großen Wurzel
werden wir uns erinnern
an Anni
beim Spielen 
und beim Picknick
und beim Duft von frisch gebackenem Bananenbrot.

Bananenbrot Rezept
3 reife Banane, 3 Eier, 250 Gramm Mehl (mit der Menge lässt sich etwas experimentieren),
1 Teelöffel Backpulver und ein bisschen Salz.
Je nach Geschmack kann man noch Zimt, Nüsse, Ingwer und/oder Vanille-Extrakt hinzufügen.
Backzeit: ca. 45 Min. bei 180 Grad.

Credits für Mitautorenschaft @weltallerbesterSohn_Kasimir